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InselL'AfricainDu meme nomeNarrenschiffOishommeVogelmensch
KÜNSTLER

Michel Boetsch

Geboren in MÜHLHAUSEN, Frankreich, im Jahre 1947

Lebt und arbeitet im Elsass

Schule Beaux Arts von Mühlhausen, C.A.F.AS

Studien an der «Ecole des arts dècoratifs» in Strassburg, Nationalen Skulpturdiploms

Grosser Preis Stadt Mühlhausen 1980

Ausstellungen und Sammlungen seit 1972, Frankreich, Deutschland, Dänemark, Schweiz, Italien, Japan, USA.

 

Elfter Vorschlag

Vogelscheuche. Trugbild: unbeweglich steht es im Feld, in den Gärten, Korndiebe abzuhalten. So wies da steht, steif und zerlumpt, ist es wirklich von Nutzen?

Vogelscheuche. Wächter oder Kinderfresser, Polizist oder armer Teufel, Einsiedler oder Gegenstand des Gelächters, Strohpuppe oder Scheinmensch in der Natur, Spötter auf der Lauer oder Farbfleck.

Im Unterschied zum Schneemann, der ruhig schmilzt und der sein Dasein nur dem Spiel der Kinder zu verdanken hatte, fasert sich die Vogelscheuche in der Einsamkeit aus; bleibt aber stehen.

Eine vage Familienähnlichkeit zwischen Vogelscheuche und «oishomme»* ist unbestreitbar, wäre aber deutlicher, wenn ein Bauer mehrere davon hier und da im Feld aufstellen würde, um so seine kommende Ernte besser zu beschützen.

Was sollte man von Vogelscheuchen halten, die zu einem anderen Zweck aufgestellt wären? Man muss sich vor Vergleichen in Acht nehmen. Die Vogelscheuche muss Hungernde verjagen; der Vogelmensch «oishomme» scheint sich wenig um eine Beschäftigung solcher Art zu kümmern. Obwohl, wenn man gewisse Umstände ergründet. Wenn man die Schmarotzer bei Vernissagen beobachtet, möchte man von «oishommes» träumen, die jene Besucher bepicken würden, die zu stark von Kehle und Magen in Anspruch genommen sind und nur verstohlen nach den ausgestellten Werken hinsehen.
Alberner Traum. Die Zeit der Vogelmenschen ist zu kostbar um in einer Rauferei vergeudet zu werden. Vielfrasse mögen fressen, wenns ihnen behagt!

Die Unwissenheit. Verwirrt sein. Umherirren, irregehen. Sich wieder zurecht finden.

Die Vogelmenschen haben vielfache Ähnlichkeiten. Bläst der kalte Nordwind, so ducken sie sich in Erwartung des kommenden Frühlings. Erschrocken beim Scheitern ihrer Träume, erflehen sie unsere rettende Aufmerksamkeit. Sie drehen sich nicht wie Wetterhähne, sie verstehen sich auf Unbeweglichkeit. Verhüllt wie Karyatiden, tragen sie nur ein kleines Stück Himmel. Ihre Schnäbel weisen manchmal in die Ferne - ausserhalb des Rahmens, im Umkreis ihres Sockels.

Die Erntezeit ist da, die Vogelscheuche verlässt die Landschaft. Wenn wir uns mal geändert haben, werden dann die Vogelmenschen noch einen Grund haben zu existieren?

 

Text von Michel Boiron, Katalog «Avec les Oishommes»